Editorial

Liebes Publikum,

Fünfzehn Jahre sind es nun her, seit die ersten BEZAU BEATZ an unserem Dorfplatz erklungen sind.

Eröffnet wurde das Festival damals von dem in der Schweiz mittlerweile bestens bekannten Bluesman Philipp Fankhauser: Auf einer bescheidenen Bühne unter einem grünen Plastik-Zelt eines lokalen Vereins, mit einer entsprechend kleinen PA-Anlage und Beleuchtung, bespielte seine Band unser Dorfzentrum mit jenem Esprit und Elan, den sie heutzutage zum Beispiel auf Bühnen wie jener des legendären Montreux-Jazz-Festivals an den Tag legen.

Es kamen damals ca. 120 Besucher (oder waren es vielleicht 135?), hauptsächlich Dorfbewohner … und es sprach sich noch während der ersten Sommerkonzertreihe, als solche die Bezau Beatz damals angedacht waren, rasch herum, dass dieser „Vogel“ da mitten im Dorf „so verrückte Frank Zappa Musik veranstaltet“ (O-Ton eines Polizisten, der meinem Musiker-Kollegen Wolfgang Zwiauer bei einer Verkehrskontrolle zum Ausdruck bringen wollte, dass er auch schon davon gehört hat …).

Mittlerweile sind wir in der Remise des Wälderbähnles angelangt und haben seit 2014 das Festival auf ein Wochenende komprimiert, an dem wir zu besten Zeiten um die 300 Besucher täglich willkommen heißen, 120 davon sind Stammgäste … die Gäste kommen aus Deutschland, der Schweiz und aus Österreich. Immer wieder gesellen sich internationale Musikliebhaber dazu, die unser musikalisches Angebot inmitten der schönen Bregenzerwälder Natur und Kultur zu schätzen wissen.

Mit Stolz dürfen wir behaupten, dass unser kleines Festival in der internationalen Szene in Metropolen wie New York über London, Paris, Berlin oder etwa Seoul als äußerst attraktive Destination gilt und einen besten Ruf genießt. Es ging uns immer schon darum, die schiere Freude an anspruchsvoller Musik mit Menschen zu teilen, die eine offene Geisteshaltung mit sich bringen und zuhören können. Von Anfang an war unser Ziel nicht „wirtschaftlich“ zu wachsen, sondern einfach nur besser zu werden, in dem was wir tun, und dadurch auch nach und nach - also „nachhaltig“ - mehr Leute anzusprechen und zu begeistern.

Obwohl die letzten zwei Jahre Pandemie-bedingt Limitierungen notwendiger Art erfahren haben, waren sie nicht minder interessant und hatten trotz der aussergewöhnlichen Situation eine unglaublich angenehme Schwingung und zwar während der Durchführung als auch im Nachhall.

Es ist diese Schwingung, dieses BEZAU BEATZ Gefühl, das wir weiterhin zu behalten beabsichtigen. Es ist ein Gefühl des Zusammenseins, des gegenseitigen Respekts, des Zuhören und des Er-hören. Zuhören ermöglicht uns zu verstehen, was in anderen Menschen vorgeht, in anderen Teilen der Welt, an anderen Plätzen, in anderen Kulturen.

Wir haben uns zunächst überlegt, wie und ob man in dieser Zeit ein Jubiläum feiern kann und darf. Die Pandemie wird uns wohl noch länger strapazieren, und die jüngsten historischen Ereignisse bringen unsere Welt, wie wir sie kennen, in Turbulenzen unvorhersehbaren Ausmaßes. Gerade deshalb sind wir zur Überzeugung gekommen, dass BEZAU BEATZ 2022 nicht nur eine besondere, sondern auch notwendige Ausgabe sein wird:

Besonders, weil wir vielleicht gerade in diesen Zeiten erkennen, wie großartig es ist, in einer friedvollen Umgebung sich dem kollektiven Musikgenuss hingeben zu dürfen und zu können. Notwendig, weil dies eben nicht selbstverständlich ist. Weil wir die Möglichkeit haben und weil wir es wollen. Auch weil uns das niemand verbieten kann. Weil Musik gehört werden muss. Menschen müssen gehört werden. Musik muss man zunächst nicht verstehen. Verstehen folgt auf Zuhören. Wenn man diesen Prozess mit sich zulässt, wird man meist reichlich belohnt.

In diesem Sinne bedanken wir uns bei allen Freunden, Sponsoren und Helfern der letzten 15 Jahre für Eure Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen.

Wir freuen uns, mit Euch Anfang August in und um Bezau ein wunderbares musikalisches Wochenende zu verbringen,

Alfred Vogel & das Team von BEZAU BEATZ

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